Nach dem aufregenden gestrigen Tag haben wir es heute etwas ruhiger angehen lassen. Wir sind lediglich mit der Fähre, auf die wir 2 Stunden warten mussten, von Vancouver Island nach Vancouver zurück geschippert. Dann haben wir noch bissle eine Art Central Park angekuckt, mit einem tollen Aquarium das wir nur von außen gesehen haben und dann ging es wieder nach Surrey, einem Vorort von Vancouver, wo die Gastfamilie wohnt. Ach so, heute abend waren wir essen bei Wendy’s. Noch n Fast Food Laden mit Burgern. Nicht A&W, aber auch gut. Jetzt sitzen wir hier und unterhalten uns. Genauer: Die anderen sprechen auf polnisch und ich surfe im Internet, kucke wleche Spieler bei Comunio auf dem Transfermarkt gehandelt werden und aktualisiere unseren Blog. So kann ich euch alle auch herzlich grüßen und noch mitteilen, dass wir morgen den ganzen Tag zum Einkaufen nutzen werden. Sportsocken sind hoch im Kurs, habe ich gehört.
19. Tag: Entering Tsunami Hazard Zone

Sinnvolle Hinweisschilder
Heute schien die Welt unterzugehen und mitdazu unser Camper… Seit 3 Uhr nachts regnete und stürmte es ununterbrochen und als wir aufwachten, war rechts und links von uns nur Wasser. Doch für unseren Harley Davidson Panzer mit 4-Rad-Antrieb kein Problem da raus zu fahren. Wir flüchteten in das 30 km weiter liegende Surfermekka Tofino, in der Hoffnung, dass das Wetter dort etwas besser sei. Leider auch nicht wesentlich. Zwar hörte es kurzzeitig mal auf zu regnen, aber es hatte weiterhin kühle 10 Grad. Doch auch dies sollte uns von unseren heutigen Plänen nicht abhalten. Mit einem Luftkissenboot düsten wir hinaus aufs offene Meer zum Whale Watching. Im Slalom passierten wir zügig die umliegenden Inselchen und schanzten auf den zum Teil 5 Meter hohen Wellen. Bis dahin war die Bootsfahrt noch super spaßig ähnlich nur tausend mal besser als Wildwasserfahren aufm Wasen. Bis zum ersten Stopp, an dem wir schwimmende Seeotter auf offener Meer beobachten sollten. Einen hab ich noch in der Ferne wahrgenommen und dann lernte ich den Begriff “seekrank” persönlich kennen. Jedesmal wenn wir zum Beobachten von irgendwelchen Tieren stehen blieben, wurde es zur reinsten Tortour für mich. Schwindel, Hitzewallungen, Übelkeit, Kribbeln in den Armen… Am Höhepunkt unserer Ausfahrt, genau in dem Moment als unser Guide rief “Watch out in front of you, guys! There is a big whale coming out of the water.” konnte ich meinen Magensaft nicht mehr bei mir behalten und beugte mich notgedrungen über die Reling… Und so hing ich da mehrere Minuten -schepps in der Kurve- während um mich rum alle begeisternd irgendwelche Walflossen verfolgten. Doch das Glück, auch wenn es mir körperlich nicht so gut ging, sollte dennoch mit mir sein. Während ich so über der Rehling hing, tauchte doch tatsächlich etwas Schwarzes, Aalglattes für einen kurzen Moment wenige Meter neben unserem Boot auf. Aber so richtig freuen konnte ich mich leider nicht darüber. Ich war nur froh, als wir nach mehr als 2 Stunden endlich wieder festen Boden unter den Füssen hatten. Dem Jensi war zwar nicht schlecht, aber er hat auch nicht wirklich einen Wal zu Gesicht bekommen. Ist auch gar nicht so einfach auftauchende Wale von so tosenden Wellen voneinander zu unterscheiden. Deshalb bekamen wir auch das Angebot, morgen nochmals mit der Agentur rauszufahren, was ich aber dankend ablenhte. Nach einer kurzen Genesungspause für mich und meinen geschundenen Körper ging es dann zurück an die Ostküste, wo wir unsere letzte Nacht auf der Insel verbringen sollten. Morgen geht es nämlich schon wieder zurück nach Vancouver und auch schon sehr bald nach Hause, ihr Lieben.
18. Tag: Über die Eiger Nordwand nach Ucululueteteululuet
Heute mittag mussten wir leider unseren Luxus-Camping in Richtung Westküste der Insel verlassen. Das bedeutet einmal quer durchfahren. Bevor wir aber richtig auf den Highway sind, haben wir uns noch eine kleine Bergwanderung vorgenommen auf den Mount Finlayson, eher ein Hügel mit nur 419 Meter Höhe, aber anscheinend einer schönen Übersicht über Victoria und die umliegenden Inseln. Eigentlich dachten wir an einen netten, lässigen Spaziergang bissle bergan, doch der Trail entpuppte sich als Besteigung der Eiger Nordwand. Die 400 Höhenmeter mussten in 1,5 Kilometer Wegstrecke überwunden werden, was mathematisch nix anderes ergibt, als dass es senkrecht und sogar manchmal in Überhängen hinauf ging. Wie Geckos mussten wir uns an glatten Felswänden mit Pfropfen an Händen und Füssen Zentimeter für Zentimeter empor erklimmen. Ziemlich erlerdigt erreichten wir aber irgendwann doch den Gipfel. Dort waren mal wieder Deutsche anwesend. Aus dem Allgäu. Übler Dialekt. Aber das nur am Rande. Übrigens haben wir noch einen Hund namens Riley kennengelernt und dessen Frauchen, die diese Bergläufe wohl als Sport bezeichnet.

Kanadische Eiger Nordwand
Danach sind wir weitergefahren, haben Kilometer gemacht, wie man im Radfahren sagen würde, kurz bei A&W Boxenstopp (zum 7. Mal!! und es schmeckt immer noch fantastisch) und jetzt kochen wir Nudeln mit Thunfisch aus der Dose in einem Stranddorf, welches so ähnlich heisst wie in der Überschrift. Vermutlich lebten hier mal Indianer, die von den Europäern verjagt wurden. Oder Senegalesen. Morgen gehen wir – ach was rede ich – das erzählt euch Bea dann. Bis dahin, viele liebe Grüße an die Menschheit, Bea und Jens
17. Tag: Still in Love with this Island
Jetzt haben wir in dieser traumhaft schönen Stadt neben Meer und tollen Villen auch noch eine wunderschöne Flaniermeile mit Restaurants, Bars und einem Riesenshoppingcenter entdeckt. Nach zweiwöchiger Abstinenz durfte ich endlich mal Jensis Kreditkarte benutzen und hab damit locker den ganzen Mittag verbracht. Irgendwann wollte ich den Armen aber nicht mehr länger warten lassen und auch noch was vom Rest der Insel sehen, deshalb verabschiedete ich mich mit schweren Herzen von Victoria (und Jensis Kredikarte
An der Küstenstraße vorbei Richtung Westen passierten wir weitere Herrenhäuser und Traumvillen, eins prunkvoller als das andere… Per Zufall entdeckten wir der Straße ins Nirwana folgend einen Capmingplatz direkt mit Strandzugang und Meerblick. Er ist zwar auch der teureste bisher auf unserer Reise, aber dank seiner Lage und Ausstattung seinen Preis auf jeden Fall lohnenswert. Neben Privatstrand gibt es ein Clubhaus mit Billardtisch, Dart, kleiner Küche, Waschmaschinen, XXL-Fernseher, free internet und und und. Absolut superduperextrabonus top!

Unsere Sicht der Dinge (heute)
16. Tag: Felt in love in Vancouver Island`s Capital Victoria
Aus dem kalten und völlig verregneten Festland wollten wir heute auf das schöne und hoffentlich sonnige Vancouver Island flüchten. Es blieben nur noch 220 km und ein Toilettengang zu bewältigen. Letzterer gestaltete sich aber für Jens als richtige Herausforderung. Beim ersten Versuch lief das Klo schon über. Beim zweiten Versuch heimlich auf die Damentoilette zu gehen, kam just in diesem Moment der Park-Ranger. Also einmal quer um den Camping ans andere Ende, dort waren aber beide Toiletten besetzt. Am Rande der Verzweifelung schliech sich Jensi dann doch nochmal aufs Damenklo und konnte diesmal erfolgreich sowie ohne irgendwelche Ranger oder pöbelnde Omis sein Geschäft verrichten. Nun konnte die Reise der letzten Kilometer auf dem Festlang losgehen. Pünktlich mit Abfahrt fing es mal wieder zu regnen an. Von unseren auf der Strecke liegenden und vom Reiseführer mit Sternchen versehenen Attraktivitäten sahen wir deshalb leider nicht viel. Das eine war ein Ausguck oben aufm Berg (wegen Wolken verhangenen Bergen jedoch ohne Rundumsicht, nur 4°C a….kalt) und das andere war Hope-Slide, wo vor vielen Jahren ein Erdrutsch einige Menschen und Autos vergrub (von 80m sahen wir maximal 3m weit).
Als wir bei der Fähre ankamen, wars tatsächlich so, dass der Himmel aufriss und uns mit warmen Sonnestrahlen verwöhnte. Knapp 1 1/2 Stunden schipperten wir durch kanadische und vermutlich (il)legal durch amerikanische Gewässer vorbei an vielen hübschen kleinen Inseln.

Auch auf den Inseln gibts Wald
Tagesetappenziel war heute Vancouver Island`s Hauptstadt Victoria. Wir fanden einen idyllischen Camping ziemlich zentral am gegenüberliegenden Hafenufer (mit Internet!) und machten uns in den frischen Abendstunden noch auf nach Downtown zum Sightseeing. Während Jens und ich wegen der steifen Brise recht dick angezogen waren (Longsleeve, Fleecepulli, Jacke und Mütze!), war für die Kanucks der Sommer ausgebrochen (kurze Hose, T-shirt, Flip-Flops). Crazy, crazy, total verrückt! Gemütlich schlenderten wir durch dieses wunderhübsche Städtchen, sahen am Meeresufer den Möwen und einen traumhaft schönen Sonnenuntergang nach, flanierten durch die kleine Fussgängerzone und überlegten uns beim Spazierengehen durchs Villenviertel, welche von den alten Herrenvillen aus dem 19. Jahrhundert denn am besten zu uns passen würde. Doch, muss man schon sagen. Hier würde es sich echt gut für ein paar Jährchen leben lassen…

romatic sunset on the beachside
15. Tag: British Columbia – Mountains and Vineyards
Immer so stand es auf den Schildern, aber am Anfang haben wir Vineyards als Gartenzaun übersetzt und da wunderten wir uns schon bissle. Aber ein Blick in unser schlaues Büchle löste als richtige Deutung Weinberg auf und das macht schon eher Sinn. Berge übrigens auch. Heute sind wir nach der Mammuttour gestern gleich nochmal 400 Kilometer gefahren. Hört sich eigentlich nicht viel an, aber hier gehts bergan und bergab und man kann nicht sehr schnell fahren. Jedenfalls sind wir ins Weinanbaugebiet rund um Osoyoos gefahren, die Temperatur dort ergab lässige 27 Grad Celsius. Deswegen haben wir auch gleich Shorts angezogen und mal wieder bei A&W zu Mittag gegessen.

Blick ins Desert Valley auf Osooyos
Als Nachtisch gab es das leckerste Eis von ganz Canada bei Tickleberry’s. Dort war die Hölle los. Die 2 Kugeln waren so viel, dass Bea ihren Rest (1,5 Kugeln) samt Waffel gleich eingefroren hat. Ich hab mein Eis geschafft, musste aber fast spucken am Ende. Auf unserem Weg Richtung Vancouver haben wir dann noch einen atemberaubenden Polizeieinsatz gesehen. Eine Radfahrerin war mit dem Vorderrad in einen Gulli gefahren und dann leicht zur Seite umgekippt. Ich schätze sie hatte eine kleine Schürfwunde davongetragen, was die kanadischen Rettungskräfte aber nicht davon abhielt, gleich einen Rettungswagen und drei Polizeifahrzeuge samt Blaulicht und viel Tamtam anzufordern. Na, so ist das halt hier. Für einen Job gibt’s immer mindestens 5 Angestellte. Das ist Service hier. Ansonsten sind wir soweit gefahren wie möglich, da wir morgen mit der Fähre nach Vancouver Island übersetzen wollen. Noch sind es knapp 250 Kilometer.

Eiskugeln in XXL-Format - so wie eigentlich fast alles hier
14. Tag: 432 km im Dauerregen
Den superschönen und sauberen Camping von Radium sollten wir erst verlassen, wenn wir unser Wasserproblem gelöst haben. Wir versuchen nämlich schon seit Tagen, unseren Tank wiederaufzufüllen und kriegen es einfach nicht hin. Auch heute wieder tat sich erstmal nix. Der sonst durch nichts aus der Ruhe zu bringende Jens stand fluchend vor der Leitung und war schon kurz davor, mit aller Gewalt das Wasserventil raus zu reissen. In Deckung gehend versteckte ich mich schnell auf der anderen Seite des Wohnmobils und siehe da, hier gab es nochmal einen Wasseranschluss (without pressure). Wir Dummies hatten die ganze Zeit den falschen benutzt. Kein Wunder!
Mit einem vollen Wassertank ging es dann Von Radium nach Fort Steele, einem Goldsucher-Dorf aus dem 19. Jahrhundert. Fast alle Häuser der Siedlung waren inklusive Inventar noch sehr gut erhalten. Also schlenderten wir gemütlich durch dieses alte Nest und kamen uns bißle vor wie im Wilden Westen. Essen konnte man dort auch sehr lecker und es gab -zu aller Verwunderung- natürlich wieder Burger
Zwar keine von A&W, aber auch sehr sehr leckere.

Zürück versetzt zu Zeiten des Wilden Westens
Nach diesem kulturellen Zwischenstopp düsten wir weiter Richtung USA Border. Land und Leute veränderten sich, Tankgewohnheiten auch. In Kanada gibt es übrigens an jeder Tanke ein anderes System. 1) Sowie bei uns: erst tanken, dann zahlen 2) Vorher mit Kreditkarte zahlen, dann tanken 3) Reingehen und sagen, für wieviel man tanken möchte und nachdem man getankt hat, nochmal reingehen und einen Beleg über den tatsächlichen Betrag bekommen und 4) reingehen, Kreditkarte abgeben und hoffen, dass der Typ hinterm Schalter einen nicht übers Ohr zieht und sich aus dem Weg macht
Vorbei am kanadischen Gardasee – Kootenay Lake – entlang einer kurvenreichen Uferstraße hätten wir fast unseren ersten Wildunfall gebaut. Nicht aber mit einem Elch oder Bären, nein, ein Suizid-gefährdeter Hund sah unser Auto kommen und lief genau in dem selben Moment auf die andere Straßenseite rüber. Zum Glück konnte Jens unseren Panzer noch im letzten Augenblick zur Seite ziehen. Und unsere Glücksträhne sollte nicht abreissen. Als letztes Fahrzeug kamen wir auf eine Autofähre, die uns über den Kootenay Lake in 35 Minuten gratis ans andere Ufer beförderte. In Nelson wollten wir eigentlich unsere heutige Route beenden, weil wir echt schon einige Kilometer hinter uns hatten und es bei anhaltenden Dauerregen auch nicht wirklich Spaß machte. Doch weil in dieser Stadt nur komische Freaks unterwegs waren, leitete uns unser Bauchgefühl weiter. Nach Freaktown kamen mehrere graue Stromstaudämme und zu guter letzt ein Riesenatomkraftwerk. Während wir uns nicht mehr wunderten, warum in dieser Gegend soviele Häuser zum Verkauf standen, suchten wir uns einen Camping am See aus (einige Kilometer vom Kraftwerk entfernt ohne dreiäugige Fische). Nach insgesamt 432 km Fahrt wurden wir dann mit einem wunderschönen Platz mit Seeblick, doch noch etwas Sonnenschein und einem Regenbogen belohnt.

Ausblick vom schönsten Camping Kanadas - wenn bloß die Kinder nicht wären...